Gedanken zum Osterfest 2020 von Pfarrer Nirschl

Das Licht braucht als Kontrast die Dunkelheit, damit es wirken kann. Die Finsternis ist an und für sich nicht schlecht – auch wenn wir Menschen uns eher zum Licht hingezogen fühlen als zur schwarzen Nacht. Es kommt nicht von ungefähr, dass wir Menschen auf das Licht und die Strahlen der Sonne angewiesen sind, um lebensfähig zu sein. Licht ermöglicht auch das Gute und die Wahrheit, das Böse verbirgt sich im Finstern. Die Heilige Schrift beginnt mit diesem Kontrast. Im Schöpfungsbericht scheidet Gott das Licht von der Finsternis, er nennt das Licht Tag und die Finsternis Nacht (vgl. Gen 1,3f). Gott will nicht, dass wir im Finstern leben, sondern Kinder des Lichtes sind, ausgerichtet auf das Gute, auf die Wahrheit, die Wahrhaftigkeit.

Wenn in der Osternacht das Feuer gesegnet und die brennende Osterkerze leuchtet, dann wird gleich darauf der Schöpfungsbericht gelesen. Denn in der Osternacht spricht Gott noch einmal: „Es werde Licht!“ Der Verrat am Ölberg, die Verhaftung, das Verleugnen durch Petrus, die Sonnenfinsternis zur Todesstunde Jesu, das Grab – so viel Dunkelheit hat es gegeben. Mit Ostern beginnt eine neue Schöpfung: Das Licht siegt über die Finsternis, das Leben über den Tod, das Gute über das Böse, die Liebe über den Hass, die Wahrheit über die Lüge. Jedes einzelne Leben steht in diesem Licht. 

Jetzt können wir aber einwenden, dass es trotzdem noch so viel Finsternis auf dieser Welt gibt. Immer noch so viel Böses, so viel Hass, so viel Leid, Krankheit und Tod. Tagtäglich erleben wir die Auseinandersetzung, in der Licht und Finsternis einander gegenüberstehen. Aber eben auch die Erlösung braucht den Kontrast der Sünde, damit sie sich entfalten kann! Das große Loblied auf die Osterkerze spricht sogar von der „glücklichen Schuld“, die einen „großen Erlöser gefunden hat“. Ostern – die Auferstehung Jesu – sein Sieg über die Finsternis sind die Garantie, dass alles, was unser Leben finster macht, sich dem Licht zuwendet. Wir alle wissen: Von alleine können wir uns nicht erlösen, können wir uns dieses Licht nicht schenken. Aber Gott kann in unsere Dunkelheit durchdringen. „Der Herr, mein Gott, macht meine Finsternis hell.“ (Ps 18,29)

Untrennbar damit verbunden ist unsere Taufe. Durch das Wasser der Taufe baut Gott eine Brücke zu uns in unser Leben herüber. In der Taufe spricht er jeden von uns an: „Es werde Licht!“ In der alten Kirche wurde die Taufe „Photismos“ genannt: zu Deutsch: „Erleuchtung“. In der Taufe dringt Gottes Licht in unser Leben ein. Wir sind Teil der neuen Schöpfung, die an Ostern ihren Anfang genommen hat. Wir dürfen ausstrahlen, was uns von innen erleuchtet.

All diese Gedanken bündeln sich in der Osterkerze, die Reinhilde Schreiber erstmals für den Bayerwalddom angefertigt hat. „Herr du mein Licht!“ Dieses ins Wachs geschriebene Wort kommt zur Entfaltung. Durch das Kreuz hindurch strahlt uns das Licht entgegen und es fließt über in das Wasser der Taufe. Eine starke und aussagekräftige Symbolik, die uns da vor Augen geführt wird. Sie ist sozusagen der Rahmen für Jesus Christus selber, der als „lodernde Flamme“ diese Kerze verzehrt und uns allen sagt: „Es werde Licht!“

In diesem Jahr ist es uns nicht möglich, in großer Gemeinde diesen Licht-Moment samt der Erinnerung an unsere eigene Taufe begehen und feiern zu können. Trotzdem bleibt es auch heuer so: In die finstere Nacht hinein wird dieses Licht entzündet. Umso mehr lade ich Sie ein, am Ostersonntag oder an den Tagen danach einen Spaziergang zur Kirche zu machen, vor der brennenden Osterkerze zu verweilen und Gott zu danken, dass er uns und die ganze Welt im Licht des Lebens stehen lässt und uns daran zu erinnern, dass wir dazu berufen sind, als „Erleuchtete“ Licht und Segen weiterzugeben! Und ganz besonders freue ich mich auf den Tag, an dem wir die österliche Freude in Gemeinschaft feiern und in einer vollen Kirche Gott unser Lob singen dürfen!

Frohe und gesegnete Ostern! Ihr Pfarrer Michael Nirschl

PS: In diesen Gedanken klingt eine Osterpredigt von Papst Benedikt XVI. an.

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