Ich werde mir Mühe geben, Sie schnell kennenzulernen!

Liebe Gläubige im Pfarrverband Waldkirchen,
wenn diese Pfarrbrief-Ausgabe den Weg zu Ihnen antritt, ist gerade Allerhei- ligen und Allerseelen vergangen. Es dauert nicht mehr lange, bis mit dem Christkönigsfest im Kirchenjahr ein fulminanter Schlusspunkt gesetzt und dann am 1. Advent wieder neu begonnen wird. Gott schreibt Geschichte. Wir sind Teil dieser Geschichte und sind mit ihm auf dem Weg durch die Zeit. So hat im Lauf eines Jahres alles seine feste Ordnung, sodass man mit Kohelet sagen kann: „Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.“ (Koh 3,1) Und doch ist in unserer Zeit vieles an Zeit „verrückt“ geworden. Momentan spüren wir das deutlich: Seit August gibt es in den Geschäften Christstollen und Plätzchen zu kaufen; mitten im Advent werden schon Weihnachtsfeiern abgehalten; noch bevor der Advent so rich- tig beginnt, dröhnt „Stille Nacht“ aus den Lautsprechern von Advents- und Christkindlmärkten; während am Adventskranz eine Kerze nach der anderen entzündet wird, damit wir uns auf Christus, das Licht der Welt einlassen können, machen grelle und blinkende Lichter die Nacht zum Tag; viele Kinder wissen nichts mehr von Nikolaus und Christkind – stattdessen lernen sie den Weihnachtsmann kennen, etc. Nichts hat mehr seine Zeit und wir werden – ob wir wollen oder nicht – mitgerissen.


Dennoch lädt uns das Kirchenjahr ein, die Zeit zu entschleunigen und allem Geschehen unter dem Himmel seine Zeit zuzugestehen – alles in der Gelas- senheit, dass Gott mit uns Geschichte schreibt. Ich lade Sie herzlich ein, den November November und den Advent Advent sein zu lassen! Ich lade Sie ein, mit Johann Sebastian Bach voller Gelassenheit zu verinnerlichen: „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit!“

Wenn wir am 30. November in den Advent hineingehen, ist es Zeit für mich, meinen Dienst als Pfarrer bei Ihnen anzutreten. Neues beginnt für Sie und für mich. Nach und nach werde ich mir den Pfarrverband und Sie vertraut machen. Ich bitte darum, mir in der Anfangszeit viel Wohlwollen entgegen- zubringen. Ich werde mir Mühe geben, Sie schnell kennenzulernen! In dieser Zeit steht aber auch zu befürchten, dass die Person des Pfarrers ziemlich stark in den Mittelpunkt gerückt wird.
Zum Glück befinden wir uns dabei im Advent, der uns daran erinnert: Der Herr kann nur dann „zunehmen“, wenn wir Menschen „abnehmen“ und uns zurücknehmen (vgl. Joh 3,30). Ein Pfarrer allein ist nicht wichtig – wichtig ist allein der HERR, den ich verkünden und für dessen Gegenwart ich durch mein Leben Zeugnis geben darf.
Alles hat seine Zeit. Seien Sie zu jeder Zeit gesegnet und behütet!

Ihr Pfarrer Michael Nirschl
Foto: Sabine Stadler

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