„Neues Feuer braucht das Land“

Liebe Leserinnen und Leser,

wie in den letzten Jahren, dürfen wir auch heuer in unserem Pfarrverband wieder das Fest der Firmung feiern. Jedoch wird sich danach an der Form dieses Festes des Hl. Geistes in unserer Diözese etwas ändern! Warum?

Es liegt bestimmt nicht am großen Einsatz aller Beteiligten bei den Vorbereitungen für diesen Tag. Denn stets gibt es immer sehr große Bemühungen darum, ihn zu etwas ganz Besonderem werden zu lassen. Doch fragen wir weiter: Für WEN ist dieser Tag etwas Besonderes? Für WEN machen wir die Vorbereitung? Erreichen wir unser Ziel?

Diese Fragen stelle ich mir nach jeder Firmung, wenn man sich am Sonntag darauf in der Kirche umschaut und vergeblich nach den Neugefirmten sucht. Denn es sind wieder nur diejenigen gekommen, die schon seit Jahren immer treu den Gottesdienst besuchen. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei Ihnen allen für ihr Engagement, Ihre Treue und Verbundenheit zur Katholischen Kirche und damit zur Kirche Jesu Christi bedanken. Die Neugefirmten jedoch bleiben lieber zu Hause und so, liebe Leserinnen und Leser – wenn wir ehrlich zu uns sind – geht es doch schon seit Jahrzehnten.

Von kirchlicher Seite wird ein enormer Aufwand und großes Engagement aufgebracht mit dem Ziel, die jungen Leute für Jesus Christus und seine Kirche zu begeistern und die Jugendlichen in das kirchliche Leben zu integrieren. Doch häufig fällt dieses besondere Saatgut auf keinen fruchtbaren Boden – der Erfolg bleibt aus.

Wenn ein Wirtschaftsunternehmen jahrelang keinen Erfolg vorweisen kann und keine Gewinne macht, dann wird schnell der Schrei nach Veränderung und Neuausrichtung laut. Auch in der Kirche hört man die Rufe nach Veränderung immer lauter und auch unser Bischof nimmt diese wahr und reagiert auf die „Zeichen der heutigen Zeit“. Deshalb möchte er mit uns allen gemeinsam einen neuen Weg einschlagen – die Firmung ab 16 Jahren.

Man kann über diesen Ansatz kontrovers diskutieren, das Pro und Kontra abwägen und sicherlich ist über das Firmalter auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Doch es ist wohl ein Faktum, dass wir neue Wege einschlagen müssen, um weiterzukommen und wir alle wissen und wollen das auch – allgemein.

Nur UNS in unserer Komfortzone des Alltags soll es nicht betreffen. Alles soll für uns und unseren persönlichen Glauben so weitergehen wie wir es gewohnt sind, was für uns am bequemsten ist. Sobald Neuausrichtung bzw. Neuevangelisierung mit Veränderung MEINER Tradition oder meiner oft selbst erschaffenen Routinen im Glaubensleben zu tun hat, wehre ich mich dagegen und möchte dies nicht akzeptieren, vielleicht aus Angst, weil ich nicht weiß, was durch die Veränderung passieren wird.

Doch ich finde, man sollte mit der Firmung ab 16 Jahren einen Schritt ins vielleicht bisher noch Ungewisse wagen, voll Vertrauen in die bereits positiven Erfahrungen damit. Denn in einigen Pfarrverbänden wird dieser Ansatz schon seit Jahren erfolgreich praktiziert. Nur durch einen ersten Schritt kann ein neuer Weg der Veränderungen, der die Zeichen der Zeit berücksichtigt, eingeschlagen werden. Dass diese Veränderungen auch in der Kirche immer wieder notwendig und gut sind, soll abschließend eine Begebenheit aus der Amtszeit von Papst Johannes XXIII. verdeutlichen. Als dieser gefragt wurde, warum er ein Konzil einberufen will, hat er wohl angeblich das Fenster seines Arbeitszimmers geöffnet und gesagt: Ich will frische Luft in die Kirche bringen.

Diese Bereitschaft, das Fenster zu öffnen, um frischen Wind hineinzulassen, wünsche ich uns allen und es wäre doch schön, wenn der Heilige Geist dieses offene Fenster nützen könnte, um auf die Firmlinge herabzukommen. Und: Vielleicht kann er leichter landen und das „Feuer“ entfachen, wenn die Lebenserfahrung größer ist?

Ihr
Kaplan
Michael Klug

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