Zwei Ärzte als Ritter und Dame

Waldkirchen/Würzburg. Der Name könnte täuschen: Mit den Kreuzzügen hat der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem nichts zu tun, mit dem “Heiligen Land” dafür umso mehr. Er möchte die Christen im Nahen Ort unterstützen. Seit Samstag hat die unter päpstlichem Schutz stehende Bewegung dabei zwei weitere Mitstreiter aus Waldkirchen an ihrer Seite.

Das Ärztepaar Dr. Hanna und Dr. Peter Seidl wurde bei der Frühjahrsinvestitur des Ordens in der Komturei (Niederlassung) St. Kilian in Würzburg feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen. Mehr als 800 Gäste und Ordensmitglieder waren dabei, als der Ordens-Großprior und Münchner Erzbischof Reinhard Marx die neuen Mitglieder aufnahm. Standesgemäß wurde Peter Seidl mit dem Schwert zum Ritter geschlagen – obwohl, “das war eher ein sanfter Anstupser mit dem Schwert”, erinnert er sich und auch “nicht so ein Riesending wie in Ritterburgen”. Der Akt sei schließlich nur ein Symbol und wie auch Großprior Marx sage, “das Schwert nicht unser Instrument” – sondern, in Anlehnung an Paulus, der Glaube.

Vor genau 150 Jahren wurde der Orden gegründet, seine Vorläufer waren adelige Pilger im Mittelalter, die in Jerusalem von den Franziskanern zum Ritter geschlagen wurden. Schon seit 1888 werden auch Frauen als Damen in den Orden aufgenommen. Entscheidend sind eine einwandfreie sittliche Lebensführung und der Verdienst um die katholischen Christen, so der Orden.

In diese Gruppe passt das Ehepaar Seidl mit seinen zahlreichen Ehrenämtern gut hinein. Nach dem Vorschlag durch eines der Mitglieder wurden sie in die Gruppe eingeladen. “Zuerst kann man schauen, ob einem das auch liegt”, berichtet Peter Seidl, “aber das sind alles sehr offene, sehr nette Leute, meiner Frau und mir hat es dort sehr gut gefallen”. Nach einer Zeit als Gast und verschiedenen Vorbereitungstreffen folgte die offizielle Aufnahme. Mit den anderen Ordensmitgliedern möchten sie nun ihren “Glauben bekennen, für Christen und das Heilige Land sorgen und Kirche und Staat unterstützen. Im Nahen Osten gibt es für Christen kaum Unterstützung und nur wenig Entfaltungsmöglichkeiten.” Israel kennen die Seidls von einer Pilgerfahrt mit der Pfarrgemeinde und durch die Passauer Bibelreferentin Pichlmeier. Zu den Mitgliedern des Ordens zählt auch Diakon Konrad Niederländer aus Waldkirchen, der sogar der Passauer Komtureivorsteher ist.

Die 30000 Mitglieder in aller Welt, davon knapp 1500 in Deutschland, tragen zur Finanzierung der Pfarreien im Nahen Osten bei und wollen auch mittels sozialer Hilfe und Gebet zur Sicherung von deren guter Zukunft beitragen. So führen sie Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten und Schulen, zu denen auch Menschen anderer Religion Zugang haben. “Wir arbeiten aus dem christlichen Geist, nicht nur für Christen”, erklärt Seidl, “und letztendlich ist das Friedensarbeit in einer Region, die Frieden so dringend nötig hat.”− wen/ckl

 

Das Ehepaar Seidl nach der Aufnahme in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Würzburg. Dr. Peter Seidl in der Kleidung der Ritter mit elfenbeinfarbenem Mantel und Barrett, Dr. Hanna Seidl mit dem schwarzen Mantel und Schleier der Damen. − Foto: privat

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